lafillelea – Fotografin und Aktivistin

Bereits drei Serien hat die Fotografin Lea (lafillelea) für uns geschossen. Sie inspiriert uns nicht nur mit ihren Fotografien, sondern auch mit ihrer Arbeit in einem feministischen Kollektiv, ihrem Engagement gegen Sexismus auf Instagram und einer starken Meinung. Lea erzählt uns aus ihrem Leben, verrät ihre Meinung zu nachhaltiger Mode und teilt ihre Lieblingsplätze in Berlin.

lafillelea im ornament Buckethat

In meiner Freizeit widme ich mich größtenteils meiner Arbeit in unserem feministischen Kollektiv Stimmrecht gegen Unrecht.

Was machst du?

Grundsätzlich immer alles gleichzeitig und manchmal auch viel zu viel. Ich habe letztes Jahr meinen Bachelor in Kulturwissenschaft gemacht und studiere jetzt an der Universität der Künste Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Nebenbei arbeite ich beim Rbb im Rahmen des Jugendformats Safe.Space, das eine junge, weibliche Zielgruppe für Body & Mental Health Themen sensibilisieren will. In meiner Freizeit widme ich mich größtenteils meiner Arbeit in unserem feministischen Kollektiv Stimmrecht gegen Unrecht. Das ist in den letzten Jahren von einer Art Hobby zu einer richtigen Leidenschaft geworden, die mir sehr viel gibt.

Auszüge aus Leas Nacht Fotoshooting in Berlin – Klicke auf die Bilder um zu den Produkten von Malimo zu gelangen

Wie lebst du am liebsten Deine Kreativität aus?

Am häufigsten (überraschend) durch das Fotografieren, aber auch das Schreiben. Ich könnte auf beides nicht verzichten. Die Fotografie ist immer sehr impulsiv, schnell und da ich sehr gerne dokumentarisch fotografiere, auch eher ungeplant. Meine kleine analoge Kamera ist eigentlich immer dabei und kommt schnell bei unterschiedlichen Situationen zum Einsatz. Mit dem Schreiben ist das ein wenig anders, dafür nehme ich mir häufig bewusst Zeit, weil es manchmal wirklich Zeit und Ruhe braucht, Dinge aufzuschreiben, die einem so im Kopf rumschwirren. Oftmals zelebriere ich das auch richtig und setze mich für zwei Stunden in den Park oder ins Café und dann wird einfach geschrieben.

Wie siehst du den Beruf einer Fotograf:in?

Ich glaube sehr anstrengend. Ich selber verdiene mein Geld noch durch weitere Nebentätigkeiten, kenne aber viele Erfahrungen von Freund:innen, die hauptberuflich als Fotograf:innen arbeiten. Wie bei vielen anderen Jobs auch, muss man teilweise seine eigene kreative Vision bestimmten Autoritäten unterstellen, das kann viel Kraft kosten. Gleichzeitig ist es aber auch ein großes Privileg, mit seiner Passion Geld verdienen zu können und es gibt viele spannende Menschen in dem Umfeld, denen man sonst so nicht begegnen würde. Als Frau hat man es in der Branche aber dann gleich noch schwerer. Die Gender Pay Gap macht auch vor der kreativen Szene nicht halt und geschlechtsspezifische Machtverhältnisse spielen auch in der kreativen Szene und der Modeindustrie eine schwerwiegende Rolle.

 Als Frau hat man es in der Fotografiebranche gleich noch schwerer. Die Gender Pay Gap macht auch vor der kreativen Szene nicht halt.

lafillelea fotografierte das ünstlerInnen Duo generalconsultingberlin

lafillelea fotografierte das Künstler:innen Duo @generalconsultingberlin, beide tragen ihre handbetruckten T-Shirts, Luisa eine Upcycling Jacke, Max die corduroy/paisley Jacke (ausverkauft)

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Eine Mischung aus klassischen Vintage Pieces, dem Bedürfnis, sich ab und zu dem Berliner »all black everything« Klischee hinzugeben und seit diesem Jahr endlich auch Farben, Farben, Farben! Hat ewig gedauert, bis ich Gefallen an Muster gefunden habe, aber diesen Sommer habe ich das sehr zelebriert. Und Flecken, die sind aufgrund meiner Grobmotorik und meinem vollen Körpereinsatz beim Essen eigentlich immer auf sämtlichen Kleidungsstücken zu finden.

Was bedeutet dir Mode?

Das kann ich nicht ganz klar beantworten. Mich stresst der Anspruch manchmal, dass Mode ein Spiegelbild des Charakters sein soll – An manchen Tagen fühle ich es einfach nicht. Gerade im Sommer merke ich, wie Mode für mich auf der einen Seite Empowerment, auf der anderen Seite aber auch Unsicherheit bedeuten kann. Es gibt Tage, da fühle ich mich sauwohl in meinen Kleidern und Shorts und dann wiederum Momente, in denen mich das Catcalling von Männern so nervt, dass ich mich unwohl fühle und darüber nachdenke, längere Hosen anzuziehen. Mit dem Alter wird das aber immer weniger und dieses Jahr wurden nach jeglichen Catcalls die Kleider nur noch kürzer bei mir.

 Ich wünsche mir, dass wir die Modeindustrie für alle nachhaltig gestalten und zugänglich machen.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Modeindustrie?

Ein weniger dogmatisches Einteilen in »gut« und »schlecht« und ein Bewusstsein, dass Mode bzw. Kleidung auch immer eine Klassenfrage ist. Ich finde die FFF [Fridays for Future] Bewegung super beeindruckend, und es ist mega schön, dass die Anzahl an nachhaltigen Modelabels wächst. Aber Menschen, die prekär beschäftigt sind, dafür zu shamen, dass sie weiterhin bei nicht fairen Modeketten einkaufen, geht für mich gar nicht. Ich wünsche mir, dass wir die Modeindustrie für alle nachhaltig gestalten und begreifen, dass auch die Mode ein vielschichtiges Thema ist und in Kontext zu vielen anderen gesellschaftsrelevanten Themen gesetzt werden muss.

Lea in einer Selbstporträt Serie mit ihrer einzigartigen Upcycling Bomberjacke

Wie lange lebst du schon in Berlin und was gefällt dir hier?

Berlin und ich hatten dieses Jahr fünfjähriges Jubiläum! Am meisten liebe ich die Weite hier. Ich weiß, dass es genau das ist, was viele Menschen abschreckt, aber mir gibt sie ein Gefühl von Freiheit. An Tagen, an denen mir die Decke auf den Kopf fällt, fahre ich 45 Minuten mit dem Rad quer durch die Stadt und kann einfach abschalten, ohne Berlin verlassen zu müssen.

Außerdem inspiriert mich die  Anonymität. Du kannst dich hier an einem Tag komplett gehen lassen, dir die verrücktesten Sachen anziehen und am nächsten Tag weiß niemand mehr Bescheid. Dann taucht man ab und kann ein bisschen von vorne starten. Genauso inspirierend finde ich aber auch die unterschiedlichen Bezirke. Manchmal hat man das Gefühl, Berlin besteht aus kleinen Ministädten und überall erwartet dich etwas anderes. Aber auch du selbst wirst anders gesehen/gelesen.

Was sind deine Lieblingsorte in Berlin?

Auf jeden Fall der Flakturm im Humboldthain – cheesy Faktor immer stabil da oben, weil es einer der besten Spots ist zum Sonnenuntergang gucken. Tatsächlich trauere ich auch ein bisschen der Zeit im Grimm-Zentrum hinterher, an der Friedrichstraße und dem Mensacafé der Humboldt Uni. Dort hab ich meine letzten vier Sommer mit sehr guten Freund:innen verbracht, viel Hafercappuccino getrunken und mittelmäßige Gemüsetaler gefuttert, während wir uns durch den Hausarbeiten- und Bachelorarbeitdschungel gekämpft haben. Ansonsten liebe ich es, abends auf der Straße des 17. Juni Richtung Siegessäule zu Radeln oder früh morgens durch den Rehberge Park zu spazieren. Wein trinkt sich am besten im Durjardin in diversen Bars rund ums Maybachufer und die beste vegane Ente in Erdnusssoße gibt es auf der Greifswalderstraße.